Viele Unternehmen, die in der Schweiz bereits erfolgreich arbeiten, übertragen ihr Vorgehen eins zu eins auf die nächste Region oder das nächste Produkt: dasselbe Angebot, derselbe Preis, dieselbe Botschaft, übersetzt. Auffällig wird das erst, wenn die Zahlen in der Westschweiz nicht zu denen in Zürich passen und niemand erklären kann, woran es liegt.

Eine Marktanalyse Schweiz verhindert genau das. Sie ist kein akademisches Dokument, sondern die Arbeit, mit Daten zu prüfen, ob für Ihr Angebot echte Nachfrage besteht, zu welchem Preis und in welcher Region. Ein grosser Teil davon lässt sich mit amtlichen und kostenlosen Quellen erledigen.

Was eine Marktanalyse in der Schweiz beantwortet

Sie beantwortet drei Fragen vor der Investition: Wie viele Menschen können Ihr Produkt kaufen, wer verkauft es ihnen heute, und was kostet es, sie zu erreichen. Ohne diese Antworten wird das Marketingbudget zur Wette.

In der Schweiz kommt ein Faktor dazu, den grössere Märkte nicht kennen: Das Land funktioniert als drei Konsummärkte mit einer Währung. Die Gesamtgrösse täuscht, denn achteinhalb Millionen Einwohner verteilt auf drei Sprachräume ergeben kleine Segmente, sobald Sie nach Region, Alter und Kaufkraft filtern.

Deshalb ist die Reihenfolge entscheidend. Zuerst werden die kostenlosen Sekundärdaten ausgeschöpft, die ohnehin existieren; erst danach fällt die Entscheidung, ob es Primärforschung braucht, die Geld kostet. Die umgekehrte Reihenfolge ist der teuerste Fehler in diesem Prozess.

Amtliche Datenquellen, die nichts kosten

Die Schweiz veröffentlicht ungewöhnlich viel amtliche Statistik, und sie ist gratis. Mit den folgenden vier Quellen decken Sie den grössten Teil einer Schreibtischanalyse ab.

Bundes- und Kantonsstatistik

Das Bundesamt für Statistik betreibt STAT-TAB, eine interaktive Datenbank, in der Sie aus der amtlichen Statistik eigene Tabellen zusammenstellen und in verschiedenen Formaten exportieren. Enthalten sind Bevölkerung, Haushalte, Einkommen, Beschäftigung und Konsum, kantonal und in vielen Fällen bis auf Gemeindeebene aufgeschlüsselt.

Diese Feinheit macht aus einer Vermutung eine Zahl: wie viele Haushalte Ihres Segments es im Zielkanton tatsächlich gibt.

Offene Daten, Firmen und Konjunktur

Das Portal opendata.swiss ist ein gemeinsames Projekt von Bund, Kantonen und Gemeinden, betrieben vom Bundesamt für Statistik, und bündelt offene Datensätze aller dieser Ebenen. Für die Wettbewerbsseite lässt sich über Zefix, den Zentralen Firmenindex, kostenlos abfragen, welche Rechtseinheiten in den 26 kantonalen Handelsregistern eingetragen sind: wer in Ihrer Branche tätig ist, wo der Sitz liegt und seit wann.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ergänzt das Bild mit Konjunktur-, Arbeitslosen- und Aussenhandelsindikatoren. Für Medien und Reichweiten führt die WEMF die nationale Leserschaftsforschung durch und beglaubigt die Auflagen, was die Referenz ist, sobald über Werbeträger entschieden wird.

Drei Sprachregionen verändern die Methode

Eine Analyse, welche die Schweiz als einen Markt behandelt, liefert einen Durchschnitt, der niemanden beschreibt. Deutschschweiz, Romandie und Tessin unterscheiden sich in Konsumgewohnheiten, Mediennutzung und Preissensibilität, und diese Unterschiede verschwinden, sobald die Daten national aggregiert werden.

Daraus folgen zwei praktische Konsequenzen. Die erste betrifft die Stichprobe: Jede Befragung braucht Teilstichproben pro Sprachregion statt einer zufällig verteilten nationalen Stichprobe, sonst fällt das Tessin aus dem Ergebnis.

Die zweite betrifft das Instrument. Der Fragebogen wird in jeder Sprache übersetzt und vorgetestet, denn eine Frage, die auf Deutsch funktioniert, kann auf Französisch mehrdeutig sein. Übersetzen ohne Pretest erzeugt eine Verzerrung, die sich nachträglich nicht mehr korrigieren lässt.

Dasselbe Prinzip gilt für das gesamte übrige Marketing, wie wir es in unserem kompletten Leitfaden zum Marketing in der Schweiz ausführen.

Was das revidierte Datenschutzgesetz verlangt

Sobald die Analyse von der Statistik zu Personen übergeht, greift das revidierte Datenschutzgesetz, das seit dem 1. September 2023 in Kraft ist. Es verbietet Forschung nicht, knüpft sie aber an klare Bedingungen.

Für die Bearbeitung zu nicht personenbezogenen Zwecken, also Forschung, Planung und Statistik, verlangt das Gesetz, die Daten zu anonymisieren, sobald der Zweck es erlaubt, und die Ergebnisse so zu veröffentlichen, dass die betroffenen Personen nicht bestimmbar sind.

Praktisch heisst das: Kontaktdaten und Antworten von Anfang an trennen, und eine Befragtenbasis nicht als Liste für die Kundenakquise weiterverwenden. Das ist der häufigste Compliance-Fehler und zugleich der am einfachsten zu vermeidende.

Marktanalyse erstellen: Schritt für Schritt

Diese Reihenfolge hält die Kosten tief, weil jeder Schritt darüber entscheidet, ob der nächste überhaupt nötig ist.

  1. Definieren Sie den Entscheid, nicht das Thema. «Eröffnen wir in Basel oder in Lausanne?» lässt sich mit Daten beantworten. «Wir wollen den Schweizer Markt kennen» nicht.
  2. Dimensionieren Sie mit STAT-TAB. Filtern Sie nach Kanton und nach den Merkmalen Ihrer Zielkundschaft. Das Ergebnis ist eine Zahl von Haushalten oder Unternehmen, kein Eindruck.
  3. Kartieren Sie den Wettbewerb über Zefix. Wie viele Firmen Ihrer Branche pro Kanton, und seit wann. Ein Markt mit vielen jungen Einträgen verhält sich anders als ein stabiler.
  4. Messen Sie die digitale Nachfrage. Google Trends und der Keyword-Planer von Google Ads lassen sich auf die Schweiz und einzelne Regionen eingrenzen. Bei tiefen Volumen vergleichen Sie Begriffe untereinander, statt der absoluten Zahl zu vertrauen, und zwar in allen drei Sprachen.
  5. Rechnen Sie die Erreichungskosten. Die Marktgrösse sagt nichts, solange nicht klar ist, was der Zugang kostet; die Zahlen zu CPM und CPC finden Sie in unserer Werbekosten-Analyse Schweiz.
  6. Erst dann Primärforschung. Bleibt nach diesen fünf Schritten eine offene Frage, von der die Investition abhängt, lohnt sich eine Befragung oder lohnen sich Interviews.

Kosten und wann sich externe Unterstützung lohnt

Öffentliche Richttarife für Marktstudien in der Schweiz gibt es nicht: Budgets werden von Fall zu Fall gerechnet. Jede fixe Zahl, die Ihnen ausserhalb einer konkreten Offerte begegnet, sollten Sie skeptisch behandeln.

Absehbar sind dagegen die Faktoren, die den Preis treiben: die Zahl der abgedeckten Sprachregionen, die Stichprobengrösse, ob die Zielgruppe aus Konsumentinnen und Konsumenten oder aus B2B-Entscheidern besteht, und ob quantitativ, qualitativ oder gemischt gearbeitet wird. Eine Studie in drei Sprachen kostet deutlich mehr als eine rein deutschsprachige.

Die Entscheidungsregel ist einfach: Die Schritte 1 bis 5 können Sie mit Zeit und Methode intern erledigen. Schritt 6 rechtfertigt externe Hilfe, wenn der davon abhängige Entscheid mehr Geld bewegt als die Studie. Wo dieser Schritt im Zeitplan steht, zeigt unser Expansionsleitfaden für Unternehmenswachstum in der Schweiz.

Der Vorsprung liegt in der Schweiz selten in Daten, die sonst niemand hat: Die amtliche Statistik steht allen offen. Er liegt darin, sie nach Region statt nach Land zu lesen und nicht für Antworten zu bezahlen, die STAT-TAB bereits gratis liefert. Beginnen Sie mit dem konkreten Entscheid, der vor Ihnen liegt; der Rest der Analyse ordnet sich daran. Wenn Sie Ihren Fall gemeinsam durchgehen möchten, gehört das zu unserer Marktforschung.

Häufige Fragen

Was kostet eine Marktanalyse in der Schweiz?

Es gibt keine öffentlichen Richttarife: Jede Studie wird nach ihrem Umfang budgetiert. Der Preis hängt vor allem davon ab, wie viele Sprachregionen abgedeckt werden, wie gross die Stichprobe ist, ob die Zielgruppe aus Konsumenten oder aus B2B-Entscheidern besteht und welche Methode gewählt wird. Die Schreibtischanalyse mit amtlichen Quellen ist kostenlos.

Welche Schweizer Marktdaten sind gratis verfügbar?

STAT-TAB des Bundesamts für Statistik mit Daten zu Bevölkerung, Haushalten, Einkommen und Konsum nach Kanton und Gemeinde; das Portal opendata.swiss mit offenen Daten von Bund, Kantonen und Gemeinden; Zefix für die im Handelsregister eingetragenen Firmen; und die Konjunkturindikatoren des SECO.

Kann ich Daten aus Deutschland oder Frankreich für den Schweizer Markt nutzen?

Als Trendorientierung ja, als Grundlage eines Investitionsentscheids nie. Einkommensniveaus, Handelsstruktur und Mediennutzung unterscheiden sich, und selbst die Deutschschweiz verhält sich nicht wie Deutschland. Für Marktgrösse und Preissetzung brauchen Sie Schweizer Daten.

Muss ich in allen drei Sprachen befragen?

Das hängt davon ab, wo Sie verkaufen. Sind Sie nur in der Deutschschweiz tätig, genügt Deutsch. Sobald Romandie oder Tessin dazukommen, braucht jede Region ihre eigene, übersetzte und getestete Fragebogenversion sowie ihre eigene Teilstichprobe; sonst dominiert die bevölkerungsstärkste Region das Ergebnis.

Was verlangt der Schweizer Datenschutz bei einer Befragung?

Das revidierte Gesetz, in Kraft seit September 2023, verlangt, Personendaten zu anonymisieren, sobald der Forschungszweck es erlaubt, und die Ergebnisse so zu veröffentlichen, dass die Personen nicht bestimmbar sind. Zudem darf die Befragtenbasis nicht zu kommerziellen Zwecken weiterverwendet werden.